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Preise für die Ideen. Jobs für die Umsetzung.

Von 11.09.2026 FutureThoughts Kommentare sind aus
Foto von Sasun Bughdaryan auf Unsplash

Zwanzig Teams pitchten auf zwei Zürcher Bühnen Lösungen für gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen. Wir schauen hinter die Wettbewerbe: Woran wird gerade gearbeitet – und wo entstehen daraus die nächsten Futurejobs?

Innerhalb von acht Tagen standen zwanzig Impact-Teams auf zwei Zürcher Bühnen. Am 27. August pitchten acht Teams im Kraftwerk Zürich um den Impact Award des Rocket Day. Eine Woche später folgten zwölf weitere an der Impact Catalyst Night im Volkshaus.

Schaut man sich die Liste der Projekte genauer an, entsteht eine Momentaufnahme davon, woran gerade gebaut wird: an Wasseraufbereitung und Energiespeichern, an neuen Materialien und an Biodiversitätsmessung, an Gesundheit und Integration, an Hochwasserschutz und politischer Teilhabe.

Awards zeigen Ideen. Doch entstehen daraus auch Jobs?

Zwei Wettbewerbe, zwei Logiken

Der Rocket Day + Impact Award fand 2026 bereits zum dritten Mal statt. Aus 100 Bewerbungen wählte die Jury acht Teams aus. Vor den öffentlichen Pitches arbeiteten sie während mehr als drei Stunden mit Fachleuten von EBP an ihren Projekten. Am Nachmittag entschieden Jury und Publikum gemeinsam.

Gewonnen hat REEcover. Das Team erhält CHF 25’000 sowie unbefristetes Mentoring durch EBP Ventures.

Der Impact Catalyst ist stärker auf Finanzierung und Investment Readiness ausgerichtet. Getragen wird das Programm von der ZKB Philanthropie Stiftung, der Swiss Re Foundation und der Stiftung Mercator Schweiz. SENS führt es operativ, Venturelab ist Umsetzungspartner.

Aus mehr als 160 Bewerbungen wurden zwölf Teams ausgewählt. Workshops, Coaching und Kontakte zu Investor:innen und Stiftungen sollen sie auf die nächste Finanzierungsphase vorbereiten.

Am Ende stand die Impact Catalyst Night. Das Publikum entschied mit, wohin das Preisgeld floss. PeelPack und WATA TECHNOLOGY wurden als Gewinner des Abends ausgezeichnet.

Doch wir interessieren uns weniger für die Gewinner als für die Themen, an denen die Start-ups arbeiten.

Woran diese zwanzig Teams arbeiten

Woran die Teams nach eigener Darstellung arbeiten, zeigen die folgenden Kurzporträts:

CellX entwickelt eine biologische Methode zum Abbau von PFAS. Über Mikrofluidik sucht und selektiert das ETH-Spin-off Bakterien, die persistente Schadstoffe zersetzen sollen. Einsatzfelder sind unter anderem Industrieabwässer und Kläranlagen.

DNAir sammelt genetische Spuren aus der Luft. Die Technologie soll Biodiversität auf grossen Arealen messbar machen, ohne sich allein auf punktuelle Feldbegehungen zu verlassen.

ERIDA ist kein klassisches Start-up, sondern ein Projekt des Vereins Innovation und Soziales. Die Plattform soll Geflüchtete mehrsprachig durch Angebote und Rechtsfragen führen und gleichzeitig anonymisierte Daten für Behörden und Trägerorganisationen bereitstellen.

iron energy entwickelt Langzeitspeicher auf Eisenbasis. Strom wird chemisch gespeichert, indem Eisen mit Dampf und Wasserstoff kontrolliert oxidiert und wieder reduziert wird. Der Ansatz zielt auf Speicherzeiträume, die deutlich über klassische Batteriespeicher hinausgehen.

kuafu entwickelt eine Plattform zur Steuerung dezentraler Energieanlagen. Wärmepumpen, Batterien und Elektrofahrzeuge sollen so koordiniert werden, dass sie auf Signale aus dem Stromnetz reagieren können.

Nepsos entwickelt eine leichtere Bremsscheibe, die Bremsabrieb reduzieren und kommende Euro-7-Anforderungen erfüllen soll. Das Unternehmen sitzt nicht in der Schweiz, sondern im deutschen Benningen.

REEcover gewinnt seltene Erden aus Elektroschrott zurück. Das ETH-Spin-off entwickelt dafür ein Trennverfahren, mit dem die Metalle wieder als Oxide verfügbar gemacht werden sollen.

Riverkin kombiniert Sensoren in Flüssen mit Wetterdaten und Modellen. Daraus entstehen Daten für Hochwasserwarnungen, Wasserkraftwerke und die Überwachung von Sedimenten.

impact build ist aus mehrjähriger Forschung an der ETH Zürich hervorgegangen. Das Team entwickelt robotische Fertigungsverfahren für Bauteile aus CO₂-ärmeren und lokal verfügbaren mineralischen Materialien.

recoal karbonisiert feuchte Restbiomasse. Der dabei gebundene Kohlenstoff soll dauerhaft gespeichert werden.

Kelva Systems speichert erneuerbare Energie als Hochtemperaturwärme in thermischen Speichern aus Beton. Zielanwendung ist vor allem industrielle Prozesswärme.

PeelPack entwickelt thermoplastische Biomaterialien aus Nebenströmen der Lebensmittelindustrie. Ausgangspunkt waren unter anderem Kartoffel-Nebenströme. Die Materialien sollen fossile Kunststoffe in industriellen Anwendungen ersetzen.

80SBio arbeitet an molekularer Diagnostik direkt an der Patientenprobe. Das Basler Spin-off entwickelt Point-of-Care-Tests, bei denen auf aufwendige separate Probenvorbereitung verzichtet werden soll.

Pretty Good verlängert die Nutzungsdauer von Produkten. Das Berner Unternehmen bereitet unter anderem Retouren aus dem Onlinehandel auf und bringt sie zurück in den Nutzungskreislauf.

WATA TECHNOLOGY produziert mit Wasser, Salz und Strom vor Ort aktives Chlor für Trinkwasser und Hygiene. Für Regionen ohne verlässliche Stromversorgung gibt es solarbetriebene Systeme.

Inverto Earth entwickelt Technologien für die Wiederherstellung und Überwachung von Ökosystemen. Dazu gehören Drohnen, Fernerkundung sowie Messverfahren für Kohlenstoff und Biodiversität.

RAROG entwickelt einen tragbaren Detektor, mit dem Rettungskräfte Menschen über Funksignale ihrer persönlichen Elektronik lokalisieren sollen.

ogmo entwickelt dezentrale Sanitär- und Abwassersysteme. Wasser und Nährstoffe sollen dabei möglichst direkt am Entstehungsort zurückgewonnen werden.

sefit health entwickelt VR-gestützte Therapieangebote für Menschen mit Reizüberforderung. Die Anwendungen richten sich unter anderem an neurodivergente Menschen und ihre Therapeut:innen.

Plural baut eine digitale Plattform für politische Beteiligung. Nutzer:innen sollen Ideen einbringen, diskutieren und unterstützen können, bevor diese in politische Prozesse überführt werden.

Zwanzig Teams, die mit unterschiedlichen Technologien an ganz verschiedenen Themen arbeiten.

Ein Award ist noch kein Arbeitsmarkt

Die Schweizer Start-up-Szene bringt viele Firmen bis in die Wachstumsphase. Der Swiss Startup Radar 2025/2026 identifiziert fast 350 Scale-ups und 18 Unternehmen mit Unicorn-Potenzial.

Doch Wachstum beim Kapital ist nicht gleich Wachstum bei der Beschäftigung. Nur 45 Prozent der Schweizer Scale-ups beschäftigen mehr als 50 Personen. Mehr als die Hälfte bleibt damit bei höchstens 50 Mitarbeitenden.

Auch die Finanzierung schwankt stark. 2025 flossen laut Swiss Venture Capital Report 2026 CHF 2,95 Milliarden Risikokapital in Schweizer Start-ups. Das waren 23,9 Prozent mehr als im Vorjahr und die erste deutliche Erholung nach zwei schwächeren Jahren. Im ersten Halbjahr 2026 ging das investierte Kapital wieder um 15,5 Prozent auf CHF 1,25 Milliarden zurück. Die Zahl der Investments blieb mit 123 praktisch stabil.

Kapital fliesst. Aber nicht gleichmässig.

Und Arbeitsplätze entstehen nicht zwingend dort, wo die Technologie erfunden wurde. Ein neuer Speicher braucht später Anlagenbau, Genehmigungen und Netzplanung. Hochwasserdaten müssen in Einsatzorganisationen und Infrastruktur einfliessen. Neue Recyclingverfahren brauchen industrielle Prozesse, Lieferketten und Abnehmer.

Start-up-Wettbewerbe sind deshalb kein Stellenmarkt. Aber sie können zeigen, an welchen Problemen gerade neue Lösungen, Kapital und Kompetenzen zusammenkommen.

Wer gerade tatsächlich Leute sucht

Stand 11. September finden wir bei drei der zwanzig Teams Stellen auf ihren Websites. Bei iron energy und Nepsos ist klar, dass aktuell rekrutiert wird. Inverto Earth führt ebenfalls vier Profile, allerdings ohne erkennbares Publikationsdatum.

iron energy schreibt auf seiner Karriereseite vier Rollen aus. Zwei davon sind bereits auf futurejobs kuratiert: Projektingenieur:in 80–100 % und SME Hydrogen Process 40–100 %. Zwei weitere Rollen finden sich direkt beim Unternehmen.

Nepsos hat auf seiner Karriereseite ebenfalls vier Stellen ausgeschrieben. Die Arbeitsorte liegen allerdings in Memmingen in Deutschland. Die Stellen erscheinen deshalb nicht auf futurejobs.

Inverto Earth führt auf seiner Karriereseite vier Profile: zwei Data-Science-Rollen, eine GIS-Stelle und eine Position im Business Development. Auf der Website ist allerdings nicht ersichtlich, wann die Inserate publiziert wurden und ob sie noch aktuell sind.

Bei anderen Teams fanden wir Stellen, die inzwischen nicht mehr ausgeschrieben sind. Riverkin suchte unter anderem einen Hydrology Data Scientist sowie weitere Verstärkung. impact build hatte ein Praktikum in robotischer Fertigung ausgeschrieben. Auch bei kuafu, PeelPack und Plural lassen sich jüngere Ausschreibungen finden, die inzwischen geschlossen sind.

Bei den übrigen Teams konnten wir aktuell keine öffentlich ausgeschriebene Stelle verifizieren.

Die Bühne ist erst der Anfang

Eine Auszeichnung prämiert das Projekt, das an einem bestimmten Abend überzeugt.

Bis sich daraus ein sichtbarer Arbeitsmarkt entwickelt, kann es dauern. Dazwischen liegen oft Finanzierung, Pilotanlagen, erste Kund:innen und der Moment, in dem das Team Verstärkung braucht.

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