Von Homeoffice, Drohnen und der Freiheit zu kündigen
Hoi,
einfache Erklärungen halten oft einer genaueren Betrachtung nicht stand.
So lag für mich lange die Vermutung nahe, dass die Pandemie das Homeoffice salonfähig gemacht und dadurch zu tieferen CO₂-Emissionen geführt hat. Denn wenn immer mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten, fallen Pendelwege weg. Simple math, right?
Dass dies nicht ganz so einfach ist, zeigt nun eine neue Schweizer Studie. Denn wer von zu Hause aus arbeitet, wohnt oft weiter vom Arbeitsplatz entfernt. Und wer nur ein- oder zweimal pro Woche im Homeoffice sitzt, spart damit nicht genügend Pendelfahrten ein, um die längeren Wege zu kompensieren. Erst bei häufigem und etabliertem Homeoffice sieht die Bilanz deutlich anders aus.
Spannend finde ich auch, wie Homeoffice unsere Lebensäume verändert. Wo wir wohnen. Welche Stellen überhaupt infrage kommen. Und welche Wege daraus entstehen.
Mehr dazu weiter unten.
Zu unseren Top 10 Futurejobs gesellen sich diese Woche unter anderem eine Visa-Regel, die Macht am Arbeitsplatz verschiebt, ein neuer Hybridberuf im Naturschutz und 18’630 Menschen, die mitentscheiden, wofür eine Stadt ihr Geld ausgibt.
Viel Spass beim Stöbern und einen guten Start in die Woche!
Herzlich,
Michael
Die Top 10 Futurejobs

#1 Fachexpert:in bäuerliches Bodenrecht und landwirtschaftliches Pachtrecht (80–100 %) – BLW
Du gestaltest die Regeln mit, nach denen landwirtschaftlicher Boden, Betriebe und Pachtverhältnisse geschützt, bewertet und weitergegeben werden.
#2 Technische:r Leiter:in (80–100 %) – Kanton Basel-Landschaft
Du steuerst grosse Abwasserinfrastrukturprojekte und prägst, wie Ressourcen, Energie und Stoffkreisläufe über Jahrzehnte genutzt werden.
#3 Head of Global Cooperation (80–100 %) – HEKS
Du verantwortest internationale Programme, Budgets, Safeguarding sowie strategische Partnerschaften in der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe.
#4 Disease Advisor HIV Prevention Products & Innovation – The Global Fund
Du arbeitest daran, neue HIV-Präventionsmittel über Förderprogramme und Investitionen schneller in Gesundheitssysteme zu bringen.
#5 Fachbereichsleiter:in Strategien Verkehr und Stadtraum (80–100 %) – Stadt Zürich
Du führst das Strategieteam und entwickelst Instrumente dafür, wie Zürich Mobilität, Logistik und öffentlichen Raum bis 2040 neu ordnet.
#6 BESS Project Engineer – enshift AG
Du bringst Batteriespeicher von der Machbarkeit über Netzanschluss und Bau bis zur Inbetriebnahme.
#7 Jurist:in Kompetenzzentrum Digitalisierung und Recht – BAG
Du erarbeitest Rechtsgrundlagen für die digitale Transformation des Gesundheitswesens und begleitest Rechtsetzungsgeschäfte des Bundes.
#8 Wissenschaftliche:r Mitarbeiter:in Bewilligung und Aufsicht Heimpflege (70–80 %) – Kanton Zürich
Du prüfst Bewilligungen, Konzepte und Budgets und gestaltest damit die Rahmenbedingungen der Heimpflege mit.
#9 Ressortleitung Ausbau Fernwärme (80–100 %) – Regionalwerke AG Baden
Du verantwortest den Ausbau des Fernwärmenetzes von der Zielplanung bis zum Hausanschluss.
#10 Co-Geschäftsleiter:in Arbeit & Soziales (80–100 %) – Atelier Passage
Du entwickelst berufliche Integration und angepasste Arbeitsplätze weiter und verantwortest auf Geschäftsleitungsebene Strategie, Angebote und Budgets.
Drei Signale
Homeoffice verschiebt die Landkarte
Eine Schweizer Studie mit 5’100 Erwerbstätigen zeigt: Homeoffice ist nicht automatisch klimafreundlicher.
Wer erst seit der Pandemie ein bis zwei Tage pro Woche zu Hause arbeitet, verursacht laut Modell 28,4 Prozent höhere mobilitätsbedingte CO₂-Emissionen als Menschen ohne Homeoffice. Bei erfahrenen Teleworker:innen mit mindestens drei Tagen Homeoffice liegen sie dagegen 45,8 Prozent tiefer.
Dahinter stehen mehrere Rebound-Effekte: Längere Arbeitswege, häufigere Autofahrten und zusätzliche private Wege können eingesparte Pendelfahrten wieder aufzehren.
Wenn das Visum am Arbeitgeber hängt
In Grossbritannien sind Beschäftigte mit einem Skilled-Worker-Visum grundsätzlich an einen Sponsor gebunden. Wer sich entscheidet, eine ausbeuterische Stelle zu kündigen, kann dadurch auch seinen Aufenthaltsstatus gefährden.
Am 3. September hat die Regierung eine Ausnahme beschlossen. Ab 8. Oktober dürfen Menschen, die im National Referral Mechanism formell als Opfer moderner Sklaverei anerkannt wurden, für die verbleibende Dauer ihres Visums auch für andere Arbeitgeber arbeiten.
Eine Visa-Regel wird damit zu einer Frage der Macht am Arbeitsplatz: Wie frei kann jemand kündigen, wenn mehr als nur der Job davon abhängt?
Zur Recherche im Guardian (EN)
Ein neuer Beruf zwischen Naturschutz und Netzwerktechnik
Drohnen, Kameras und Sensoren halten zunehmend Einzug in afrikanische Schutzgebiete. Installieren, vernetzen und warten müssen sie Menschen vor Ort.
Die Connected Conservation Foundation bildet deshalb gemeinsam mit der Cisco Networking Academy «Protected Area Technicians» aus. Fachleute aus elf afrikanischen Ländern lernen unter anderem Netzwerktechnik, Offgrid-Stromversorgung, Sensorik und den Einsatz von Wärmebilddrohnen.
Ein Beispiel dafür, wie Technologie neue Kombinationen von Kompetenzen hervorbringt.
Zur Reportage im Guardian (EN)
Eine Zahl
39,4 Millionen
So viele Beschäftigte in der EU-27 werden hochgerechnet mindestens mehrmals pro Monat ausserhalb ihrer Arbeitszeit aus beruflichen Gründen kontaktiert.
Das entspricht etwa jeder fünften erwerbstätigen Person. Besonders häufig betrifft es flexible Arbeit: 63 Prozent der Teleworkenden werden ausserhalb ihrer Arbeitszeit kontaktiert, gegenüber 48 Prozent der Menschen, die ausschliesslich vor Ort arbeiten.
Quelle: Eurofound, European Working Conditions Survey 2024.

Ein Experiment
Wenn die Bevölkerung das Budget verteilt
Seit 2019 lässt Lausanne seine Einwohner:innen mitentscheiden, welche lokalen Projekte aus einem Teil des Stadtbudgets finanziert werden.
In der abgeschlossenen sechsten Runde stimmten 18’630 Menschen über 22 Projekte ab. 13 davon erhalten zusammen bis zu 200’000 Franken. Die siebte Runde läuft bereits: Neue Projekte können bis Anfang Januar 2027 eingereicht werden.
Die Verwaltung prüft die Machbarkeit. Die Bevölkerung entscheidet, wohin das Geld fliesst. Die Initiant:innen setzen die ausgewählten Projekte um.
Zum Budget participatif Lausanne (FR)

Ein Fund
Cloud Appreciation Society
Seit 2005 bringt die Cloud Appreciation Society Menschen zusammen, die gerne in den Himmel schauen.
Heute verbindet sie nach eigenen Angaben mehr als 64’000 Künstler:innen, Wissenschaftler:innen, Cloudspotter:innen und Träumer:innen in 120 Ländern.
Ein guter Grund, heute zwischendurch einfach mal stillzustehen und kurz nach oben zu schauen.
Zur Cloud Appreciation Society (EN)
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