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Impact Monday #26: Wer baut die Zukunft, die wir uns wĂĽnschen?

Von 31.08.2026 Impact Monday Kommentare sind aus

Foto von Bernd đź“· Dittrich auf Unsplash

Hoi,

was für eine Zukunft wünschst du dir? Der Verein Monda Futura hat Zukunftsideen gesammelt, daraus Szenarien entwickelt und diese von der Schweizer Bevölkerung bewerten lassen. Daraus ist ein interaktiver Zukunftskompass mit verschiedenen Wunschszenarien entstanden.

Doch was braucht es alles, um solche Ideen in die Tat umzusetzen? Motivierte Menschen, die etwas können. Organisationen, in denen sie zusammenkommen. Akteure, die auf politischer Ebene die Rahmenbedingungen schaffen. Und Geld, mit dem sich das alles finanzieren lässt.

Die FundstĂĽcke im heutigen Impact Monday decken all diese Stufen ab und zeigen zugleich, wie fragil das ganze GefĂĽge werden kann, wenn beispielsweise ein grosser Geldgeber verschwindet.

Dazu kommen die zehn Futurejobs der Woche, eine Zahl zum Fachkräftemangel, ein Gedanke zur Rechnung, die wir künftigen Generationen hinterlassen, eine Reinigungskooperative in den Händen ihrer Mitarbeiterinnen – und ein Wald voller Bücher, die wir wahrscheinlich nie lesen werden.

Ich wünsche dir viel Spass beim Stöbern und einen guten Start in die Woche!

Herzlich,

Michael


Die Top 10 Futurejobs

#1 Leiter Umwelt und Nachhaltigkeit (80–100 %) – Gemeinde Thalwil

Du steuerst den «Masterplan Klima», bereitest politische Entscheide vor und überprüfst, ob die beschlossenen Massnahmen tatsächlich wirken.

Mit einem eigenen Stimmrecht in der Fachkommission reicht diese Rolle ungewöhnlich direkt von der kommunalen Klimastrategie bis zu ihrer Umsetzung.

Zur Stelle

#2 Leiter Leit- und Sekundärtechnik Wasserkraft (80–100 %) – ewz

Du gibst technische Richtlinien fĂĽr mehrere Kraftwerksgruppen vor, entwickelst Roadmaps und steuerst Erneuerungsprojekte.

Eine Rolle, die zeigt, dass Energiewende nicht nur Energiepolitik bedeutet: Jemand muss die kritische Infrastruktur standardisieren, automatisieren und über Jahrzehnte zuverlässig betreiben.

Zur Stelle

#3 Project Manager – VAULTED AG

Du bringst ein materialsparendes Deckensystem aus Forschung und Pilotierung in reale Bauprojekte.

Mit Verantwortung für Projekte, Budgets, Kund:innen und Lieferketten arbeitest du genau an der Stelle, an der eine technische Innovation zeigen muss, ob sie sich zuverlässig und wiederholbar bauen lässt.

Zur Stelle

#4 Direktor:in (80–100 %) – Stiftung Glückskette

Du verantwortest Strategieumsetzung, Finanzen, Fundraising und Partnerschaften und gestaltest damit mit, wie Mittel für humanitäre und soziale Hilfe mobilisiert und verteilt werden.

Zur Stelle

#5 Vorsteher Amt für Volksschulen und Sport (80–100 %) – Kanton Nidwalden

Du fĂĽhrst das Amt strategisch und finanziell, entwickelst die Volksschule weiter und bereitest Entscheidungsgrundlagen fĂĽr Regierung und Politik vor.

Zur Stelle

#6 Projektleiter Wasserbau (70–100 %) – Tiefbauamt des Kantons Bern

Du fĂĽhrst Hochwasserschutz- und Wasserbauprojekte von der Planung bis zur Realisierung und ĂĽbersetzt Klimaanpassung damit in langfristige physische Infrastruktur.

Zur Stelle

#7 Finance Business Partner Ausbauprogramme (60–100 %) – SBB

Du steuerst die finanzielle Planung grosser Bahnausbauprogramme und lieferst Entscheidungsgrundlagen dafĂĽr, wie Ressourcen in die Weiterentwicklung des Schweizer Schienennetzes fliessen.

Zur Stelle

#8 Safeguarding Advisor – Médecins Sans Frontières Switzerland

Du entwickelst Regeln und Instrumente, mit denen Missbrauch in humanitären Einsätzen verhindert, erkannt und gemeldet werden soll – über einzelne Programme hinaus.

Zur Stelle

#9 Manager Translational Centre Biodiversity Conservation (80 %) – WSL

Du bringst Biodiversitätsforschung mit Behörden und Naturschutzpraxis zusammen und organisierst den Weg vom vorhandenen Wissen zur konkreten Anwendung.

Zur Stelle

#10 Leiter Leben mit Beeinträchtigungen (80–100 %) – Frienisberg – üses Dorf

Du entwickelst eine Organisation und ihre Angebote unter neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen weiter, um Menschen mit Beeinträchtigungen mehr Wahlmöglichkeiten und Selbstbestimmung zu ermöglichen.

Zur Stelle


Drei Signale

Was passiert, wenn das Geld plötzlich weg ist?

Seit die USA ihre Auslandshilfe zusammengestrichen haben, fehlen Organisationen in Kosovo Millionen. Das verändert nicht nur Projekte, sondern auch den Arbeitsmarkt.

Jahrelang zogen besser zahlende internationale Programme qualifizierte Fachkräfte an. Nun könnten lokale Organisationen und Unternehmen manche dieser Menschen zurückgewinnen. Gleichzeitig finden andere nach dem Verlust ihrer NGO-Stelle keine Arbeit mehr, in der ihre Erfahrung gefragt ist.

Die Schwestern Arzije und Xhemile Asani, selbst Teil der kosovarischen Diaspora, sind in ihre zweite Heimat gereist und fragen, wer unter dem Rückzug leidet – und ob daraus langfristig auch mehr Raum für lokale Kräfte entstehen könnte.

Eine sehr lesenswerte Reportage darüber, wie Geldströme beeinflussen, wo Wissen, Arbeit und Macht liegen.

Zur Reportage in der Republik

Welche Zukunft will die Schweiz?

Mehr als 1300 Menschen haben Ideen für eine lebenswerte Schweiz der Zukunft entwickelt. Daraus entstanden 40 Szenarien, die anschliessend von mehr als 2200 Personen in einer repräsentativen Befragung in Zusammenarbeit mit gfs.bern bewertet wurden.

Ganz vorne landen eine florierende Natur durch bewussteren Konsum und eine regionale und saisonale Lebensmittelproduktion. Auch die lokale Kreislaufwirtschaft findet breite Zustimmung. Deutlich schlechter schneiden dagegen Zukunftsbilder ab, in denen KI oder permanente Datenerfassung den Alltag stärker bestimmen.

Der Zukunftskompass sagt nicht voraus, welche Zukunft eintreten wird. Er fragt zuerst, welche Zukunft überhaupt erwünscht ist – bevor über Technologien und Lösungen gesprochen wird.

Den interaktiven Zukunftskompass entdecken

Ein neues Ernährungssystem in zehn Jahren

Interessanterweise landet ausgerechnet eine regionale und saisonale Lebensmittelproduktion im Zukunftskompass weit vorne.

Eine konkrete politische Vorlage zu diesen Themen wird am 27. September greifbar. Dann stimmt die Schweiz über die Ernährungsinitiative ab. Sie verlangt einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent und eine stärkere Ausrichtung auf pflanzliche Lebensmittel. Heute liegt der Netto-Selbstversorgungsgrad bei rund 42 Prozent.

Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative ab. Einer der zentralen Einwände betrifft das Tempo: Die Landwirtschaft müsste sich innerhalb von zehn Jahren stark neu ausrichten.

Und damit wird aus einem Zukunftsbild eine sehr praktische Arbeitsfrage: Welche Kulturen werden angebaut? Welche Maschinen braucht es? Welche Kenntnisse müssen Betriebe, Beratung und Ausbildung aufbauen – und wie schnell ist das überhaupt möglich?

Mehr zur Ernährungsinitiative beim Bund


Eine Zahl

33,9 %

So hoch war im zweiten Quartal 2026 – gewichtet nach der Zahl der Beschäftigten – der Anteil der Schweizer Unternehmen, die Schwierigkeiten hatten, qualifizierte Arbeitskräfte zu rekrutieren.

Die Zahl passt erstaunlich gut zu den drei Signalen dieser Woche. Wir können uns eine andere Zukunft wünschen, politische Ziele beschliessen und die Infrastruktur finanzieren.

Doch am Ende braucht es Menschen, die wissen, wie man sie baut.

Quelle: Bundesamt für Statistik, Beschäftigungsstatistik BESTA, 2. Quartal 2026.


Ein Gedanke

Was, wenn wir die Rechnung einfach weiterreichen?

Klimaszenarien zeigen häufig einen sogenannten «Overshoot»: Die globale Erwärmung steigt über 1,5 Grad und sinkt später wieder, weil der Atmosphäre grosse Mengen CO₂ entzogen werden.

Der ETH-Klimawissenschaftler Cyril Brunner warnt gemeinsam mit Kolleg:innen davor, dass es selbst unter sehr optimistischen Annahmen Generationen dauern könnte, die Temperatur wieder runterzubringen.

Würde CO₂-Entnahme beispielsweise 200 Dollar pro Tonne kosten, lägen die Kosten, um alleine die heutigen jährlichen CO₂-Emissionen zu entfernen, bei rund 8,9 Billionen Dollar.

Damit verändert sich die Frage: nicht nur ob wir eine spätere Abkühlung technisch schaffen könnten, sondern wer eine gigantische CO₂-Entnahmewirtschaft aufbaut, über Jahrzehnte betreibt und bezahlt.

Zum Beitrag von Cyril Brunner


Ein Experiment

Wenn die Reinigerinnen ihre Firma selbst besitzen

Sieben Reinigerinnen grĂĽndeten 2021 in ZĂĽrich die Genossenschaft AutonomĂ­a. Heute arbeiten rund 50 Frauen ĂĽber sie.

Die Genossenschafterinnen sind nicht nur Angestellte. Sie wählen die Verwaltung, bestimmen mit über ihre Arbeitsbedingungen und tragen Verantwortung und Risiko gemeinsam. Seit Juli dieses Jahres liegen sowohl die operative Führung als auch die strategische Entwicklung vollständig bei den Organen der Genossenschaft.

Interessant ist die dahinterstehende Frage: Was verändert sich, wenn die Menschen, die eine Dienstleistung erbringen, gleichzeitig die Organisation besitzen, die ihre Arbeit organisiert?

AutonomĂ­a entdecken


Ein Fund

Future Library

In einem Wald bei Oslo wachsen tausend Bäume für Bücher, die erst 2114 gelesen werden.

Seit 2014 übergibt jedes Jahr eine Autorin oder ein Autor ein Manuskript. Die Texte bleiben hundert Jahre lang ungelesen. Erst dann sollen die Bäume gefällt, zu Papier verarbeitet und alle hundert Werke gedruckt werden.

Ein Kunstwerk für Leser:innen, die grösstenteils noch nicht geboren sind.

Future Library entdecken

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