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Impact Monday #25: Wer setzt die Regeln?

Von 24.08.2026 Impact Monday Kommentare sind aus

Foto von Adi Goldstein auf Unsplash

Hoi,

was kostet es, einen Wald stehen zu lassen? Wer bezahlt, wenn Hitze Arbeit verunmöglicht? Und was passiert, wenn eine Community ihr eigenes Geld schafft?

Hinter diesen Fragen steckt dieselbe Logik: Wer die Regeln eines Systems verändert, verändert auch, was darin möglich wird. Und wer davon profitiert oder die Kosten trägt.

Darum geht es heute: um CO₂-Preise und Arbeitsrecht, prekäre Beschäftigung und eine Zürcher Lokalwährung. Und darum, was solche Veränderungen für unsere Arbeit und unsere Handlungsspielräume bedeuten.

Dazu kommen die zehn Futurejobs der Woche und zum Schluss ein Fund, mit dem du musikalisch um die Welt reist.

Viel Spass beim Stöbern und einen gelungenen Start in die Woche!

Herzlich,

Michael


Die Top 10 Futurejobs

#1 Leitung Fachbereich «Nachhaltiger Pflanzenschutz und Sorten» (80–100 %, Jobsharing möglich) – Bundesamt für Landwirtschaft BLW, Liebefeld

Du verantwortest Strategien, Rechtsgrundlagen und internationale Verhandlungen für nachhaltigen Pflanzenschutz, Sortenwesen und Sortenschutz.

Damit gestaltest du den regulatorischen Rahmen der Schweizer Pflanzenproduktion mit.

Zur Stelle

#2 Chief, Programme and Operations P.5 (befristet, 1 Jahr) – CREWS-Sekretariat bei der WMO, Genf

Du steuerst Programmportfolio, Ressourcen und Wirkungsmessung für internationale Frühwarnsysteme.

Die Rolle prägt mit, wie diese Systeme in klima- und katastrophengefährdeten Ländern umgesetzt werden.

Zur Stelle

#3 Redaktionsleitung CORRECTIV.Schweiz (80 %) – CORRECTIV.Schweiz, Bern

Du entscheidest mit dem Redaktionsteam, welche Missstände investigativ recherchiert werden, und verantwortest die Umsetzung bis zur Publikation.

Die Rolle bestimmt mit, welche Missstände in der Schweiz überhaupt öffentlich werden.

Zur Stelle

#4 Wissenschaftliche Mitarbeiter:in Umweltökonomie (40–60 %) – BAFU, Ittigen

Du leitest Projekte zu Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft und entwickelst marktwirtschaftliche Instrumente sowie Produktanforderungen weiter.

Die Rolle entwickelt die Instrumente, mit denen der Bund Ressourcenverbrauch überhaupt steuern kann.

Zur Stelle

#5 Geschäftsführung (90–100 %) – Sophie und Karl Binding Stiftung, Basel

Du führst die Geschäftsstelle, bereitest Förderentscheide mit dem Stiftungsrat vor und verantwortest den Einsatz der Mittel in Umwelt, Soziales und Kultur.

Die Rolle bereitet die Entscheide vor, nach denen Fördergelder verteilt werden.

Zur Stelle

#6 Sektionsleiter Energiewirtschaft (80–100 %) – Kanton Zürich, Zürich

Du entwickelst die kantonale Energiestrategie und Energieplanung mit und erarbeitest die Entscheidungsgrundlagen dafür.

Zur Stelle

#7 Projektleiter Arealentwicklung & Erneuerbare Energien – Ticos Engineering, Uhwiesen

Du leitest Projekte zur Energieproduktion, -speicherung und -steuerung von der Planung bis zur Inbetriebnahme.

Zur Stelle

#8 Delivery Team Lead Core Functions (befristet bis Dezember 2029) – Global Fund, Genf

Du verantwortest die IT-Lösungen hinter dem Grant Lifecycle und führst das globale Delivery-Team samt Budgets und Anbietern.

Zur Stelle

#9 Sustainable Investing Specialist (80–100 %) – PostFinance, Bern

Du entwickelst ESG-Governance, Due-Diligence-Prozesse und Stewardship für die Fonds weiter.

Zur Stelle

#10 Product Compliance and Sustainability Expert – DECTRIS, Baden-Dättwil

Du verankerst Compliance-, Sorgfalts- und Nachhaltigkeitsanforderungen in Produktentwicklung, Beschaffung und Lieferkette.

Zur Stelle


Drei Signale

Was müsste ein Wald kosten, damit er stehen bleibt?

In Südostasien liegen rund 42 Millionen Hektaren Naturwald innerhalb von Konzessionen für Holz, Palmöl, Kautschuk und Plantagen.

Forschende haben für 3’754 solcher Konzessionen berechnet, ab welchem CO₂-Preis es wirtschaftlich attraktiver werden könnte, den Wald zu erhalten statt ihn zu nutzen. Je nach Konzession liegt dieser Punkt zwischen 33 und 1’677 Dollar pro Tonne CO₂.

Doch interessant daran ist nicht der Preis, sondern was er verschiebt. Entsteht Einkommen daraus, dass ein Wald stehen bleibt, braucht es Menschen, die diesen Zustand messen, belegen und finanzieren.

Die Studie zeigt zugleich die Grenzen des Ansatzes: Carbonmärkte allein reichen nicht. Es braucht zusätzliche politische und finanzielle Rahmenbedingungen.

Mehr dazu in Carolyn Cowans Artikel.

Hitze verändert die Regeln der Arbeitswelt

Was passiert, wenn Hitze Arbeit gefährlich oder zeitweise gar unmöglich macht?

Dann geht es nicht mehr nur um Sonnencreme und Wasser, sondern um Arbeitszeiten, Pausen und Einkommen.

Mehr als 70 Schweizer Organisationen fordern unter anderem verbindliche Schutzmassnahmen am Arbeitsplatz, angepasste Arbeitszeiten während Hitzewellen und ein garantiertes Einkommen, wenn Arbeit wegen extremer Hitze unterbrochen werden muss.

Was das konkret heisst, zeigt sich bei Arbeiten im Freien: Die Suva empfiehlt ab 28 Grad angepasste Arbeitszeiten und ab 33 Grad zusätzliche 15-minütige Pausen pro Stunde.

Klimaanpassung wird damit auch zur arbeitsrechtlichen Verteilungsfrage: Wer trägt das Risiko, wenn Arbeit klimabedingt nicht erbracht werden kann?

Mehr Freiheit, weniger Schutz?

Für bestimmte Angestellte junger Start-ups mit Firmenbeteiligung sollen künftig flexiblere Arbeitszeitregeln gelten.

Die ursprüngliche parlamentarische Initiative wollte sie vollständig von der Arbeitszeiterfassung befreien. Der inzwischen ausgearbeitete Vorschlag geht weniger weit. Unter bestimmten Bedingungen wären längere Arbeitstage, kürzere Ruhezeiten sowie begrenzte Nacht- und Sonntagsarbeit ohne Bewilligung zulässig.

Dahinter steht die Idee, dass solche Mitarbeiter:innen aufgrund ihrer Beteiligung eher wie Mitunternehmer:innen arbeiten und deshalb mehr Spielraum brauchen. Gleichzeitig werden damit Schutzregeln gelockert, die für andere Angestellte weiterhin gelten.

Die zuständige Nationalratskommission teilte am 18. August mit, dass der Vorschlag in der Vernehmlassung grossmehrheitlich unterstützt wurde. Beschlossen ist die neue Regelung noch nicht.

Mehr beim Parlament


Eine Zahl

35 %

So hoch ist laut dem MIT-Arbeitsforscher Paul Osterman der Anteil der US-Arbeitskräfte, die er in seinem neuen Buch als ‹disposable workers› zusammenfasst.

Dazu zählt er Contractors, Freelancer und sogenannte «marginal employees»: Menschen, die formal angestellt sind, aber kaum Zugang zu Weiterbildung und Aufstieg haben. Grundlage ist eine Befragung von mehr als 6’000 erwerbstätigen Erwachsenen.

Die Zahl zeigt eine zentrale Spannung der Arbeitswelt: Flexibilität kann Freiheit bedeuten. Sie kann aber auch mit weniger Sicherheit, Entwicklungsmöglichkeiten und Verhandlungsmacht einhergehen.

Mehr bei MIT News


Ein Experiment

Was passiert, wenn eine Community ihr eigenes Geld schöpft?

Zwei Jahre lang haben der Verein Encointer und der Zürcher Think and Do Tank Dezentrum mit dem «Leu» ausprobiert, was geschieht, wenn eine digitale Lokalwährung als Gemeinschaftseinkommen konzipiert und in die Hände ihrer Community gelegt wird.

Um Leu zu erhalten oder zu nutzen, brauchte man weder ein Bankkonto noch einen Ausweis. Regelmässige physische Treffen verhinderten, dass eine Person das Gemeinschaftseinkommen mehrfach beziehen konnte.

Das Dezentrum beendete das Experiment im Frühling 2024 und übergab den Leu an eine kleine, weiterhin aktive Kerngruppe. Nicht die Schöpfung des Geldes, sondern seine Zirkulation erwies sich als die grösste Herausforderung.

Geblieben sind das Protokoll, die App und Erfahrungen damit, wie eine solche Währung gemeinschaftlich organisiert und in einer lokalen Wirtschaft verankert werden kann. Die Erkenntnisse fliessen nun in Community-Currency-Projekte in Tansania und Nigeria ein.

Zur Case Study des Dezentrums.


Ein Fund

Radio Garden

Bild: radio.garden

Einfach mal den Globus drehen, irgendwo anhalten und hören, was dort gerade im Radio läuft?

Radio Garden lässt dich durch die Welt reisen und live hören, was lokale Radiostationen gerade senden. Das niederländische Forschungsprojekt startete mit 8’000 Sendern. 2024 waren es bereits mehr als 40’000.

Ein Klick nach Dakar, Reykjavík oder Buenos Aires genügt und plötzlich klingt die Welt ganz anders.

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