Impact Monday #24: Wider die Grauen Herren

Foto von Jeanie de Klerk auf Unsplash
Hoi,
Ständig rauchen sie Zigarren. Und zwar nicht irgendein Kraut. Sie rauchen getrocknete Stundenblumen, geraubt aus den Herzen der Menschen. In Michael Endes «Momo» stehlen die Grauen Herren den Menschen ihre Lebenszeit, indem sie sie dazu bringen, alles möglichst effizient und zweckgerichtet zu tun. Die Freude bleibt auf der Strecke, das Leben wird grau.
Für mich dienen die Grauen Herren längst als Sinnbild dafür, wie wir nicht kommunizieren wollen. Nur konsequent also, auch den Impact Monday daran zu messen. Den Anfang dieses Experiments hast du vor dir.
Fünf Futurejobs. Drei Signale. Eine Zahl. Ein Gedanke. Ein Fund.
Jeden Montag kuratiere ich aus Dutzenden neuen Jobs, Studien, Berichten und Fundstücken das, was deine Aufmerksamkeit verdient. Der lange Hintergrundartikel verschwindet nicht, er kommt künftig einmal im Monat statt jede Woche. Dafür bekommst du wöchentlich das, was mir beim Prüfen der Stellen, beim Lesen und beim Recherchieren besonders auffällt.
Heute sind es drei Signale aus der Arbeitswelt, eine Zahl, die etwas Bemerkenswertes festhält, und ein Gedanke aus den sozialen Medien. Dazu kommt ein Fund, der mit Arbeit und Karriere eigentlich nicht viel zu tun hat. Und der genau deshalb hierher gehört.
Der Impact Monday geht damit in seine nächste Phase. Ich wünsche viel Spass beim Stöbern und dem grauen Wetter zum Trotz einen gelungenen Start in die Woche!
Herzlich,
Michael
Die Top 5 Futurejobs der Woche

#1 Leiter:in Abteilung Landschaft und Gewässer (90–100 %) – Kanton Aargau, Aarau
Du führst eine Abteilung mit 62 Mitarbeitenden und verantwortest Gewässerrevitalisierung, Hochwasserschutz und Artenschutz fachlich, personell und finanziell. Als Mitglied der Geschäftsleitung bringst du diese Themen auf die strategische Ebene ein – ökologische Infrastruktur mit direktem Einfluss auf Politik und Praxis.
Bewerbungsfrist: 31. August 2026
Stellenantritt: 1. Juni 2027
#2 Machine Learning Engineer für Klima- und Wettervorhersage (80–100 %) – MeteoSchweiz, Zürich-Flughafen oder Locarno
Du bringst ML-basierte Wettermodelle vom Prototyp in den operativen Einsatz und benchmarkst sie auf europäischen Supercomputing-Zentren. Dein Hebel: KI-Innovation, die nicht im Paper endet, sondern in der operativen Wettervorhersage ankommt.
Arbeitsort: hybrid
#3 Fachmitarbeiter:in Prävention (60 %), Schwerpunkt Schule – Verein Limita, Zürich
Du leitest den Kinderparcours «Mein Körper gehört mir!» in der Stadt Zürich, organisierst Begleitveranstaltungen für Lehrpersonen, Betreuungspersonal und Erziehungsberechtigte und entwickelst Schulungen weiter. Eine Rolle, die Prävention sexualisierter Gewalt in konkrete Bildungsarbeit und institutionelle Praxis übersetzt.
Stellenantritt: 1. Februar 2027
#4 Fachexpert:in Asyl & Migration (80–100 %) – Save the Children Schweiz
Du hilfst Behörden und Fachstellen, Kinderrechte und Kindesschutz im Asylbereich dauerhaft zu verankern – über einzelne Standorte hinaus.
#5 Gärtner:in Pflanzenproduktion EFZ mit agogischen Kenntnissen (60–70 %) – Stiftung Bühl
Du verbindest biologische Pflanzenproduktion mit Berufsbildung und begleitest Jugendliche mit Unterstützungsbedarf. Ökologische Produktion und soziale Teilhabe in derselben Rolle.
Stellenantritt: 1. Oktober 2026 oder nach Vereinbarung
Drei Signale
Drei Entwicklungen, die mir diese Woche aufgefallen sind.
Kreislaufdünger: von der Machbarkeit zur Umsetzung
Eine neue Meta-Analyse wertet Daten aus über 200 Studien zu Düngern aus quellengetrennten Sanitärsystemen aus. Für 13 Produkte reicht die Datenlage für eine detaillierte Charakterisierung — von gelagertem Urin über Fällungsprodukte bis zu Kompost und getrocknetem Fäkalschlamm. In Feld- und Gefässversuchen zeigt sich gegenüber konventionellen Düngern kein systematischer Ertragsnachteil. Laut den Autorinnen verschiebt sich der Fokus damit von der technischen Machbarkeit hin zur Umsetzung: Produktcharakterisierung, Qualitätssicherung und Regulierung, damit diese Dünger überhaupt ins landwirtschaftliche Nährstoffmanagement integriert werden können.
Lassen sich solche Studien nicht auch als verkappte Stellenanzeigen lesen? Falls ja, zeigt sich hier Arbeit, die bisher kaum sichtbar war: an den Schnittstellen von Landwirtschaft, Qualitätssicherung und Behörden.
Zur Studie (EN, Open Access) · Frontiers in Environmental Science, angenommen am 10. August 2026; finale Fassung ausstehend.
Die Transformations-Lücke zwischen Labor und Markt
Zwei Climate-Tech-Investorinnen vergleichen Zürich mit San Francisco und beschreiben bei manchen Schweizer Startups ein Muster: Jahre fliessen in Produkt und Patente, bevor die Teams mit Kund:innen sprechen. Gleichzeitig fehle Wachstumskapital. Damit verschiebt sich die Frage weg von der Forschungsqualität hin zu Fähigkeiten und Strukturen für Verkauf, Skalierung und Finanzierung.
Mich interessiert daran weniger der bekannte Vergleich zwischen der Schweiz und dem Silicon Valley als die Transformationslücke zwischen Labor und Markt. Wer Wirkung sucht und Business Development vernachlässigt, findet den Hebel womöglich genau dort.
Zum Interview (DE, ca. 8 Min.) · NZZ, 14. August 2026.
KI hebt die Eintrittsschwelle. Was heisst das für Jobs mit Wirkung?
Die bislang sichtbaren Arbeitsmarkteffekte generativer KI zeigen sich laut den befragten Ökonom:innen weniger in massenhafter Verdrängung als in zusammengelegten Rollen, höheren Einstiegsanforderungen und weniger Neueinstellungen für automatisierbare Aufgaben. Einige erwarten zudem, dass Unternehmen künftig stärker auf Vertrags- und Freelance-Arbeit setzen.
Gestaltungsspielraum wächst oft erst mit Berufserfahrung. Wenn KI gleichzeitig die Eintrittsschwelle erhöht, stellt sich deshalb eine unangenehme Frage: Wie kommen Berufseinsteiger:innen überhaupt an die Erfahrung, die sie später für solche Rollen brauchen?
Zum Beitrag (EN, ca. 5 Min.) · The Guardian, 12. August 2026.
Eine Zahl
12,4 %
So hoch lag die globale Jugendarbeitslosenquote im Jahr 2025. Dahinter stehen 67 Millionen junge Menschen.
Quelle:
International Labour Organization. Global Employment Trends for Youth 2026.
Ein Gedanke
von Alex Tiefenbacher zu einem regulatorischen Knoten auf dem Finanzplatz Schweiz:

Am 12. August hat der Bundesrat entschieden, die Finanzplatz-Initiative ohne direkten Gegenentwurf und ohne indirekten Gegenvorschlag zur Ablehnung zu empfehlen. Eine seiner Begründungen: Bestehendes Recht und die bisherige Klima- und Finanzmarktpolitik deckten das klimapolitische Ziel der Initiative bereits ausreichend ab.
Artikel 9 des Klima- und Innovationsgesetzes verpflichtet den Bund seit 2025, dafür zu sorgen, dass der Finanzplatz einen effektiven Beitrag zu den Klimazielen leistet. Im Erläuterungsbericht zur Klimaschutzverordnung hält der Bund zugleich fest, dass die gesetzliche Grundlage in dieser Verordnung keine konkreten Massnahmen zur Klimawirkung der Finanzmittelflüsse erlaubt.
Hier geht es zum Beitrag.
Ein Fund

Bild: artist-trading-cards.ch
Kunst, die nicht verkauft werden will
1997 startete der Zürcher Künstler m.vänçi stirnemann die «Artist Trading Cards»: selbstgemachte Miniaturkunst im Format 64 × 89 Millimeter. Jede:r kann mitmachen, jedes Material ist erlaubt.
Entscheidend ist eine andere Regel: Die Karten werden nicht verkauft. Wer eine haben möchte, tauscht eine eigene gegen eine fremde – und zwar von Hand zu Hand. Der Versand per Post ist geduldet, gemeint ist die Begegnung. Bis heute finden dafür regelmässige Trading Sessions statt.
Artist Trading Cards entdecken
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