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Die Werkstatt hinter Futurejobs, Teil 2: Wenn drei Checks nicht ausreichen

Von 24.07.2026 Die Werkstatt hinter Futurejobs Kommentare sind aus

Wo die Antwort im Nebel liegt, bedarf es einer genaueren Prüfung. (Foto von Artem Sapegin auf Unsplash)

Hebel, Multiplikator und Kompass: Im ersten Teil haben wir die drei Checks vorgestellt, die bei vielen Stellen zu einem klaren Entscheid führen. Interessant wird es dort, wo sie keine eindeutige Antwort liefern.

Das kann eine Transformationsrolle in einem Konzern sein, dessen übriges Geschäft hohe gesellschaftliche oder ökologische Schäden verursacht. Eine Organisation kann eine überzeugende Mission verfolgen, während die Wirkung der konkreten Stelle unklar bleibt. Oder eine Position im Finanzsektor trägt «Sustainability» im Titel, befasst sich aber möglicherweise vor allem mit finanziellen Nachhaltigkeitsrisiken für das Unternehmen. Ob sie auch Kapitalströme oder Geschäftspraktiken verändert, bleibt offen.

Solche Fälle erfordern eine genauere Prüfung.

Grenzfälle brauchen eine Wirkungskette

Bei Grenzfällen versuchen wir, die Wirkungskette der konkreten Rolle zu rekonstruieren.

Welches Problem soll sie verändern? Welches Mandat besitzt die Rolle? Welche Entscheide und Ressourcen kann die Person beeinflussen? Und wie könnte daraus eine dauerhafte Veränderung entstehen?

Dabei berücksichtigen wir auch negative Auswirkungen und Zielkonflikte. Eine Lösung kann Emissionen senken, gleichzeitig jedoch soziale Kosten auf Beschäftigte oder lokale Gemeinschaften verlagern. Eine technische Verbesserung kann effizienter werden, während die absolute Belastung dennoch steigt.

Eine positive Absicht genügt deshalb nicht. Die Verbindung zwischen Mandat, Tätigkeit und Systemeffekt muss plausibel sein.

Selbstaussagen reichen als Evidenz nicht aus

Ein Stelleninserat ist eine wichtige Quelle. Für unsere Prüfung reicht es allein jedoch nicht aus. Es soll eine Stelle attraktiv darstellen und lässt häufig entscheidende Fragen offen.

Bei Grenzfällen prüfen wir deshalb zusätzliche öffentlich zugängliche Quellen. Dazu gehören je nach Fall Strategien, Berichte, Investitionsentscheide, Kontroversen sowie unabhängige Einschätzungen.

Wir unterscheiden zwischen Selbstaussagen der Organisation, unabhängiger Evidenz und offenen Unbekannten. Was wir nicht belegen können, behandeln wir nicht als Tatsache.

Lässt sich die Wirkungskette vom Mandat bis zum möglichen Systemeffekt nicht schliessen, gibt es kein Ja. Dasselbe gilt, wenn die entscheidenden Annahmen nur auf Marketingaussagen beruhen.

Eine Rolle ist kein Gütesiegel für die Organisation

Eine glaubwürdige Transformationsrolle kann auch in einer Organisation liegen, die wir als Ganzes nicht abschliessend beurteilen können oder wollen.

Überzeugt die konkrete Rolle, kann das Inserat trotzdem erscheinen. Daraus leiten wir kein Gesamturteil über die Organisation ab.

Ein Listing auf Futurejobs ist ein Signal für die konkrete Rolle. Es ist kein Gütesiegel für sämtliche Tätigkeiten, Produkte oder Entscheidungen des Arbeitgebers. Bei Organisationen in einer Grauzone kann deshalb ein Job erscheinen, ohne dass wir ein Organisationsprofil veröffentlichen.

Im Zweifel hilft uns eine einfache Leitfrage:

«Würden wir einer Freundin guten Gewissens empfehlen, diese konkrete Rolle näher zu prüfen?»

Bei Lernformaten verlagert sich der Hebel

Für unsere Kuration verlagert sich bei Praktika, Volontariaten, Lehrstellen und Traineeprogrammen der Hebel. Wir erwarten nicht dieselbe individuelle Entscheidungsbefugnis wie bei regulären Stellen. Stattdessen prüfen wir das Mandat des Teams, den tatsächlichen Arbeitsbeitrag und die Qualität des Lernpfads.

Ein Praktikum kann deshalb ein Futurejob sein, obwohl die Person selbst noch kein Budget verantwortet. Dafür verlangen wir einen konkreten Beitrag zu einer glaubwürdigen Transformationsaufgabe, strukturierte Betreuung und dokumentierte Lernziele.

Auch die Vergütung ist Teil der Prüfung. Ohne eine transparente Vergütungsangabe veröffentlichen wir kein Lernformat. Unbezahlte Praktika akzeptieren wir nur als Pflichtbestandteil einer formal anerkannten Ausbildung.

Gutes Mentoring gleicht ausbeuterische Bedingungen nicht aus. Eine überzeugende Organisation kompensiert keinen fehlenden Lernbeitrag.

KI hilft bei der Vorprüfung

KI strukturiert Stelleninserate, formuliert eine vorläufige Wirkungskette und sammelt Hinweise für die weitere Recherche.

Eine ihrer grössten Schwächen besteht darin, Wissenslücken mit plausibel klingenden Annahmen zu füllen. Genau das darf bei einer Kurationsentscheidung nicht passieren.

Ein hoher Jobtitel beweist keine Entscheidungsmacht. Eine bekannte NGO beweist keine Wirkung. Eine Nachhaltigkeitsstrategie beweist keine konsequente Umsetzung. Fehlende Informationen müssen deshalb als unbekannt ausgewiesen werden.

Unser Grundsatz lautet:

KI liefert eine Vorprüfung und eine begründete Empfehlung. Den finalen Entscheid trifft ein Mensch.

Kuration bleibt ein begründetes Urteil

Unsere Methode ist keine mathematische Formel, die automatisch ein objektiv richtiges Ergebnis liefert.

Wir beurteilen die konkrete Rolle anhand ihres Mandats, der Organisation und des Kontexts. Trotzdem bleibt die Informationslage unvollständig.

Ein Inserat verrät nicht immer, ob das versprochene Mandat im Alltag tatsächlich besteht. Ob ein Budget zur Verfügung steht oder eine Berichtslinie genügend Einfluss ermöglicht, zeigt sich manchmal erst im Bewerbungsprozess.

Deshalb empfehlen wir Bewerber:innen, offene Punkte im Gespräch anzusprechen:

Welches Budget oder welche Ressourcen trägt die Rolle? An wen berichtet sie? Welche Entscheide darf die Person selbst treffen? Woran wird ihre Wirkung gemessen? Wie geht die Organisation mit bekannten Zielkonflikten um?

Bleiben auch im Bewerbungsprozess konkrete Antworten aus, ist das für Bewerber:innen ein relevantes Signal.

Unsere Kriterien entwickeln sich weiter

Grenzfall-Entscheide dokumentieren wir intern. Dazu gehört auch die Frage, welche neue Evidenz unseren Entscheid verändern würde.

Dabei fragen wir uns auch, wo unsere eigenen Entscheide verzerrt sein könnten: Bevorzugen wir bestimmte Sektoren? Überschätzen wir Seniorität und grosse Budgets? Unterschätzen wir lokale oder operative Wirkung?

Unsere Kriterien verbessern wir, indem wir sie anwenden, Widersprüche erkennen und begründet nachschärfen.

Bei Grenzfällen dokumentieren wir unsere Zweifel. Einige Ausschlüsse stehen dagegen fest: Rollen im Zusammenhang mit sexueller Ausbeutung, Kinderarbeit oder Waffen erscheinen nicht auf der Plattform. Dasselbe gilt für Parteisekretariate, Stellen mit Parteiloyalitäts-Anforderung und offensichtliches Greenwashing ohne operative Substanz.

Eine Nachhaltigkeitsmission kompensiert nie ausbeuterische Arbeitsbedingungen.

Transparenz und Unabhängigkeit

Wir arbeiten an einer kompakten öffentlichen Fassung unserer Kurationsmethode. Sie soll zeigen, welche Fragen wir stellen, welche Grenzen gelten und wo menschliches Urteil notwendig bleibt.

Vor allem ist sie ein öffentliches Versprechen:

Welche Stellen auf Futurejobs erscheinen, entscheiden wir unabhängig von zahlenden Arbeitgebern, Förderinstitutionen und Partnerorganisationen nach denselben Kriterien.

Der Wert von Futurejobs entsteht aus dieser unabhängigen redaktionellen Arbeit. Fachkräfte und Quereinsteiger:innen sollen ihre Stärken dort einsetzen können, wo sie tatsächlich etwas verändern.

Die Methode ist nicht abgeschlossen. Die Grundsätze und harten Ausschlüsse stehen. Ihre Anwendung schärfen wir weiter.

Deshalb diskutieren wir offene Fragen bereits vor der Veröffentlichung: Wo würdest du die Linie anders ziehen?

Bist du über eine Stellenausschreibung gestolpert, bei der du selbst nicht sicher bist, ob sie ein Futurejob ist? Oder hast du auf unserer Plattform eine Stelle entdeckt, die deiner Ansicht nach nicht dorthin gehört?

Schick sie uns an hallo@futurejobs.ch. Besonders aufschlussreiche Grenzfälle greifen wir später anonymisiert auf.

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