Die Werkstatt hinter Futurejobs, Teil 1: Wie wir entscheiden, was ein Futurejob ist
Foto von Sasun Bughdaryan auf Unsplash
Menschen sollen ihre Stärken dort einsetzen, wo sie wirklich etwas bewirken können. Nach diesem Grundsatz prüfen wir alle Stellen, die wir veröffentlichen, auf ihre Wirksamkeit. Doch was heisst das konkret?
Menschen sollen ihre Stärken dort einsetzen, wo sie wirklich etwas bewirken können. Nach diesem Grundsatz prüfen wir alle Stellen, die wir veröffentlichen, auf ihre Wirksamkeit. Doch was heisst das konkret?
Der Vorteil kurzer Entscheidungswege ist, dass man schnell auf Veränderungen und Fehler reagieren kann. So prangte in einer ersten Version von Futurejobs noch der Slogan «Jobs mit Sinn» auf der Titelseite.
Darauf folgten hitzige philosophische Diskussionen darüber, was überhaupt sinnvoll ist, wie sinnentleert der Begriff inzwischen wirkt und weshalb nicht auch alle Pflegeberufe auf Futurejobs erscheinen sollen.
Aus diesen Diskussionen entstand der Artikel «Erhalten oder gestalten?». Er war ein erster Versuch zu erklären, wie wir entscheiden, ob ein Job auf Futurejobs kommt oder nicht.
Kurz gesagt: Wir suchen Jobs, die im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsziele zur Transformation beitragen. Jobs, die an der Wurzel ansetzen und Neues schaffen, anstatt bestehende Systeme nur zu verwalten.
Doch wie setzt man diesen Leitgedanken in die Tat um?
Im letzten halben Jahr haben wir unser Framework laufend weiterentwickelt, alte Konventionen über den Haufen geworfen und neue aufgebaut. Wir finden, es ist an der Zeit, das Gelernte zu reflektieren und zur Diskussion zu stellen.
In einem Punkt sind wir uns allerdings ziemlich sicher.
Wirkung kennt keine Rechtsform
Eine Ärztin kann jeden Tag Patient:innen behandeln und sieht sich dabei mit den Symptomen tieferliegender Probleme konfrontiert. Sie kann aber auch an ganz anderen Stellen ansetzen.
In einer NGO entwickelt sie ein Präventionsprogramm für benachteiligte Bevölkerungsgruppen. In einem Start-up baut sie eine digitale Lösung auf, die medizinische Versorgung früher zugänglich macht. In einem KMU verändert sie die betriebliche Gesundheitsvorsorge für Hunderte Mitarbeitende. In einem Konzern entscheidet sie als Chief Medical Officer, ob grosse Budgets stärker in Prävention statt nur in Behandlung fliessen. Und in der Verwaltung gestaltet sie Richtlinien, Finanzierungssysteme oder Versorgungsmodelle, die für eine ganze Region gelten.
Gleicher beruflicher Hintergrund, aber ein völlig anderer Hebel.
Deshalb kuratieren wir sektorübergreifend. Egal ob NGO, Start-up, KMU, Konzern oder Verwaltung: Entscheidend ist nicht die Rechtsform, sondern was eine Person in ihrer konkreten Rolle bewegen, entscheiden, aufbauen oder stoppen kann.
Um dies zu prüfen, stellen wir drei Fragen.
Drei Checks für einen Futurejob
Bei den meisten Stellen reichen drei Fragen für einen klaren Entscheid.
1. Der Hebel
Hat die Rolle echten Einfluss?
Wir achten auf Budgetverantwortung, Entscheidungsmacht, ein klares Mandat und den Zugang zu den Stellen, an denen Veränderungen beschlossen werden.
Ein Titel allein beweist nichts. Ein «Sustainability Manager» ohne Budget, Rückhalt oder Durchsetzungskraft kann eine Feigenblatt-Position sein. Eine Fachperson ohne prestigeträchtigen Titel kann dagegen einen entscheidenden Hebel besitzen.
2. Der Multiplikator
Verändert die Rolle Strukturen oder lindert sie lediglich Symptome?
Wir suchen Tätigkeiten, deren Wirkung über den einzelnen Fall hinausgeht. Das können neue Standards, veränderte Prozesse, politische Rahmenbedingungen, technologische Lösungen oder die Weitergabe von Wissen sein.
Nicht jede wirksame Rolle muss eine grosse Organisation führen. Entscheidend ist, ob ihre Arbeit einen Systemeffekt auslösen kann.
3. Der Kompass
Ist die Organisation glaubwürdig?
Wir prüfen, ob Ziele, Strategie und tatsächliches Handeln zusammenpassen. Gibt es nachvollziehbare Nachhaltigkeitsziele? Sind Verantwortlichkeiten und Fortschritte sichtbar? Oder endet die Wirkung dort, wo die Kommunikation beginnt?
Eine überzeugende Stellenbeschreibung kompensiert kein offensichtlich schädliches Kerngeschäft. Und eine starke Mission rechtfertigt keine ausbeuterischen Arbeitsbedingungen.
Auch operative Arbeit kann gestalten
Die drei Checks sortieren nicht einfach strategische Rollen nach oben und operative Arbeit nach unten.
Die Netzingenieurin, die erneuerbare Energie ins Stromnetz integriert, gestaltet. Auch wenn ein Teil ihres Alltags nach Wartung aussieht.
Dasselbe gilt für den Bewilligungsspezialisten, der nachhaltige Infrastruktur durch komplexe Verfahren bringt. Oder für die Compliance-Fachperson, die einen strengeren Standard konsequent durchsetzt.
Die relevante Frage lautet nicht: Ist die Tätigkeit strategisch oder administrativ?
Sie lautet: Ist diese Tätigkeit kausal wichtig für die Transformation?
Bei vielen Stellen führen diese drei Checks zu einem klaren Entscheid. Doch nicht jede Rolle ist eindeutig.
Was passiert, wenn eine überzeugende Transformationsrolle in einer Organisation liegt, die wir als Ganzes kritisch beurteilen? Was, wenn eine Praktikantin noch gar keine eigene Entscheidungsmacht besitzt? Und welche Rolle darf KI bei solchen Entscheidungen spielen?
Darum geht es nächste Woche im zweiten Teil von «Die Werkstatt hinter Futurejobs».
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