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Der Impact steckt nicht im Jobtitel

Von 19.06.2026 FutureThoughts, Unkategorisiert Kommentare sind aus

Zwischen Rost und Grün liegt die eigentliche Frage: Welche Hebel bewegen Kapital wirklich in Richtung Zukunft? (Bild: Denny Müller)

Die neue Studie von Swiss Sustainable Finance zeigt: Der Markt für Sustainable Finance ist erwachsen geworden. Doch echte Wirkung entsteht dort, wo Mandat, Daten und Kapital zusammenkommen.

Bloomberg kommentierte vor kurzem den Befund einer neuen Studie von Lisa Sachs, Direktorin des Columbia Center on Sustainable Investment, mit einem unbequemen Titel: «Why Sustainable Finance Hasn’t Moved the Needle on Climate Change.» Die Quintessenz: Sustainable Finance hat die reale Transformation bisher weniger stark beschleunigt, als viele Anfang der 2020er-Jahre gehofft hatten.

Die Kernkritik ist hart und präzise. Das Problem liege nicht in der Untätigkeit, sondern in einer Diskrepanz zwischen Zielen, Mandaten und Instrumenten, schreibt Sachs. Sie kritisiert, dass unterschiedliche Risikokategorien unter dem unscharfen Begriff «Klimarisiko» zusammengefasst werden. Stattdessen unterscheidet sie zwischen drei Risiken:

  • dem planetaren Risiko physischer Gefahren
  • dem wirtschaftlichen Risiko sinkender Wertschöpfung sowie
  • dem finanziellen Risiko für Bilanzen und Kreditqualität.

Ihr Argument: Wer diese drei Ebenen vermischt, verwechselt dabei auch die dahinterliegenden Zuständigkeiten. Sachs formuliert auch Lösungsvorschläge: Mandate, Instrumente und Ziele müssen auf die jeweiligen Risiken ausgerichtet werden. Klarheit darüber, welche Institution welche Wirkung überhaupt erzielen kann, müsse auch aus dem Umfeld von Wissenschaft, NGOs und standardsetzenden Gremien kommen.

Wo Sustainable-Finance-Jobs wirklich Wirkung entfalten

Doch welche Rollen in der Finanzbranche verändern wirklich etwas, und welche halten nur den Betrieb am Laufen?

Bei futurejobs versuchen wir, Rollen, die Systeme transformieren, von solchen zu unterscheiden, die sie nur verwalten. Aus Sachs Kritik lässt sich hierfür ein Filter ableiten. Denn sie legt einen «perversen Anreiz» offen: Behandelt eine Bank den Klimawandel vor allem als finanzielles Risiko, besteht ihre rationale Reaktion darin, das Engagement «zurückzufahren, neu zu bepreisen oder seine Laufzeit zu verkürzen». Das Klimarisiko zu messen, führt dann zum Ausstieg aus dem Risiko, nicht zur Finanzierung des Übergangs. Eine Stelle, die Risiken misst, um die eigene Bilanz zu schützen, hält ein System am Laufen. Eine Stelle, deren Mandat darin besteht, etwas zu bauen, zu erforschen oder Kapazität aufzubauen, gestaltet es um.

Beide tragen oft denselben Titel. Doch der Unterschied liegt nicht im Etikett, sondern in der Aufgabe. Und genau diesen Unterschied wollen wir sichtbar machen.

Der Markt wird erwachsen, und leiser

Laut der neuen Swiss Sustainable Investment Market Study 2026 von Swiss Sustainable Finance erreichten nachhaltigkeitsbezogene Anlagen in der Schweiz Ende 2025 ein Volumen von CHF 1’940 Milliarden, ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nachhaltigkeitsbezogene Fonds machen rund 50 Prozent des gesamten Schweizer Fondsmarkts aus. Der Markt ist erwachsen geworden.

Die SSF-Studie zeigt zudem, dass ein erheblicher Teil nachhaltigkeitsbezogener Anlagen gar nicht mehr aktiv als nachhaltig vermarktet wird. Bei Fonds werden 64 Prozent der Volumen als nachhaltig vermarktet, 36 Prozent nicht. Bei Mandaten liegt der vermarktete Anteil nur bei 27 Prozent; 73 Prozent werden nicht entsprechend gelabelt.

Dafür gibt es zwei Lesarten. Einerseits Greenhushing: Finanzakteure kommunizieren vorsichtiger, weil sie regulatorische, reputationsbezogene und politische Risiken scheuen. Andererseits ist nachhaltige Praxis in vielen Prozessen schlicht Standard geworden. Die Branche tut mehr, als nach aussen sichtbar ist.

Für den Arbeitsmarkt heisst das: Wirkung steht nicht mehr unbedingt auf der Visitenkarte. Sie sitzt dort, wo Risiken neu bewertet, Portfolios umgebaut und Investitionsentscheide vorbereitet werden. Der nächste Impact-Job trägt vielleicht gar keinen grünen Titel.

KI, Klima und Kapital rücken zusammen

Eine der grössten im Bericht genannten Veränderungen betrifft die künstliche Intelligenz. KI wird nicht mehr nur fürs Reporting getestet. Sie wandert in die Kernprozesse: Due Diligence, Bewertung, Risikobeurteilung, Kapitalallokation.

Gleichzeitig werden Klimarisiken finanziell spürbar. Der Bericht identifiziert Extremwetter als den materiellsten naturbezogenen Risikofaktor. 23 Prozent der befragten Finanzakteure haben bereits konkrete Auswirkungen auf ihre Portfolio-Performance erlebt. Besonders sichtbar wird das bei Immobilien: Dort rücken Energieeffizienz, Dekarbonisierungspfade, Renovationsplanung und Klimaresilienz stärker in den Fokus der Anlagepraxis.

Dort, wo KI, Klima und Kapital aufeinandertreffen, entstehen neue Stellenprofile. Gesucht werden Menschen, die Nachhaltigkeitswissen mit Datenkompetenz, Finanz-Know-how und kritischem Urteilsvermögen verbinden.

Der Engpass verschiebt sich von Infrastruktur zu Kompetenz

Viele Akteure im Bereich Sustainable Finance sehen heute weniger ein Technik- als ein Kompetenzproblem. Viele Grundlagen sind geschaffen. Was nun fehlt, sind Fachleute, die mit neuen Datenumgebungen, KI-Tools und Investmentprozessen sinnvoll arbeiten können.

Vier offene Stellen auf futurejobs veranschaulichen, wie unterschiedlich nah eine Rolle am Hebel sitzt. Zwei davon gestalten direkt. Zwei bauen das Fundament, ohne das die ersten beiden nicht funktionieren.

Stellen, die an der Wurzel ansetzen

Bei der Globalance Bank wird ein:e Innovationsmanager:in für Data, AI & Platform Engineering gesucht. Im Fokus steht die nächste Generation der hauseigenen Plattform Globalance World, die Klima-, Footprint- und Finanzdimensionen sichtbar miteinander verbindet. Hier wird KI nicht an den Rand gestellt, sondern ins Zentrum: Sie soll Impact-Kennzahlen so greifbar machen, dass sie Kapital tatsächlich lenken. Das Mandat dieser Bank ist zukunftsorientiertes Investieren, nicht Risikoabwehr. Aufgabe und Wirkung fallen zusammen.

Wer lieber die Grundlagen schafft als sie anzuwenden, findet an der Universität Basel eine PhD-Stelle zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors. An der Schnittstelle von Immobilienökonomie, politischer Ökonomie und nachhaltiger Finanzierung entsteht hier die empirische Evidenz, auf der spätere Politik- und Investitionsentscheide aufbauen. Das ist genau das Ökosystem aus Wissenschaft, dem Sachs mehr Klarheit zutraut.

Zwei weitere Stellen liegen näher an der Risikoseite, die Sachs kritisiert. Trotzdem gehören sie hierher, denn ohne sie fehlt die Grundlage.

Die Bank J. Safra Sarasin schreibt eine:n Sustainable Investment Analyst:in für Immobilien aus. Bewertet werden Klima- und Transitionsrisiken von Gebäuden und es geht um die jährliche Durchführung des GRESB-Prozesses. Solche Analysen können zum Rückzug aus einem Risiko führen statt zu seiner Finanzierung. Aber ohne belastbare Bewertung weiss niemand, welches Gebäude überhaupt saniert werden muss. Diese Rolle baut die Datengrundlage, auf der die spätere Umlenkung erst möglich wird.

Ähnlich beim Praktikum im Bereich Climate and Sustainability bei Deloitte. Klimaszenarien, TCFD, CSRD und EU-Taxonomie sind genau jenes Feld aus Messung und Offenlegung, auf dem die Branche sich laut Sachs zu lange gedreht hat. Und doch fehlt es überall an Menschen, die diese Modelle bauen und lesen können. Für Career-Starter:innen und Quereinsteiger:innen mit Datenkompetenz ist das die Tür in die Branche, und der Ort, an dem man lernt, Messung von Wirkung zu unterscheiden.

Auch wenn Sachs’ Studie zum Schluss kommt, dass Sustainable Finance das Klima bisher kaum bewegt hat, finden sich etliche Stellen, die an der Wurzel des Problems ansetzen. Unser Ziel ist es, diese Stellen sichtbar zu machen.

 


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