Website-Logo

Nicht alle Bildschirmjobs sind gleich

Von 20.02.2026 Klartext Kommentare sind aus

Kommt (noch) nicht ganz an einen professionellen Illustrator ran (AI-Illustration des Artikels “Nicht alle Bildschirmjobs sind gleich”)

«Wache ich eines Montags auf und mein Job ist weg?» Diese Frage haben sich in den letzten Tagen viele Menschen gestellt. Auslöser war ein viraler Essay des Tech-CEOs Matt Shumer: «Something Big is Happening».

Seine These: Wir befinden uns in einem Moment wie im Februar 2020, kurz vor der Pandemie. Die Disruption ist bereits da – aber die meisten haben es noch nicht begriffen. Oder zugespitzt: Nichts, was am Bildschirm passiert, ist vor KI sicher.

Wenn ein KI-Unternehmer einen Text schreibt, der am Ende auf den Kauf seines Produkts hinausläuft, ist das zunächst einmal geschicktes Marketing. Zu lesen mit einer Prise Skepsis.

Doch wo er recht hat, hat er recht: KI komprimiert kognitive Routinearbeit. Alles, was sich in klare Schritte zerlegen lässt – recherchieren, zusammenfassen, formulieren, vergleichen, coden, reporten – wird schneller, billiger und oft sogar besser.

Ich hatte kürzlich selbst so einen Moment: Mit einem neuen Claude-Modell konnte ich plötzlich Features für Futurejobs in JavaScript entwickeln – ohne je einen Programmierkurs gemacht zu haben. Das fühlt sich tatsächlich wie Magie an.

Gleichzeitig warnt Stanford-Dozent Kian Katanforoosh vor der Kehrseite: Viele Gründer:innen, die mit KI extrem schnell gebaut haben, laufen jetzt gegen eine Wand. Sie verstehen ihre eigenen Codebasen nicht mehr – und wissen nicht, wie sie weitermachen sollen. Die Technologie rennt. Menschen und Organisationen kommen nicht automatisch mit.

Und genau hier wird Shumers These zu grob: Nicht alle Bildschirmjobs sind gleich.

Erhalten vs. Gestalten

Es gibt Arbeit, die Systeme erhält: Prozesse verwalten, Reports schreiben, Informationen bündeln, Tickets abarbeiten.

Und es gibt Arbeit, die Systeme gestaltet: Sie trifft Entscheidungen unter Unsicherheit, bringt Menschen und Institutionen zusammen, baut Vertrauen auf und trägt Verantwortung für das, was daraus folgt. Sie arbeitet auch dann weiter, wenn es keine perfekte Antwort gibt.

Diese Unterscheidung ist nicht moralisch. Sie ist strukturell.

Das gilt übrigens auch für den Impact-Sektor: Wer bei einer NGO hauptsächlich Reports erstellt, ist nicht weniger exponiert als anderswo. Nicht das Label schützt – sondern der Gestaltungsanteil.

Routinearbeit am Bildschirm ist tatsächlich stärker gefährdet. Doch je höher der Gestaltungsanteil, desto eher wird KI zum Werkzeug statt zur Bedrohung. Mit einer wichtigen Nuance: Gestaltung ist nicht «KI-sicher» – sie wird nur anders betroffen. KI übernimmt Teile davon (Entwürfe, Varianten, Analysen, Argumentationslinien) und macht Gestalter:innen dadurch wirkungsvoller: weniger Handarbeit, mehr Urteil.

Was macht Arbeit KI-resilient?

Je mehr eine Rolle echte Outcome-Verantwortung trägt – also nicht nur liefern, sondern für das Ergebnis geradestehen – und dabei Beziehungen, die reale Welt und komplexe Systeme einbindet, desto schwieriger wird vollständige Automatisierung.

Vier Merkmale, die du prüfen kannst:

  1. Beziehungstiefe Arbeit, die auf über Jahre aufgebautem Vertrauen basiert. Vertrauen entsteht durch Beziehungen – nicht durch Algorithmen.
  2. Physische Wirkung Wo Arbeit an realen Orten passiert – mit Material, Infrastruktur, Natur, Sicherheit – braucht es Menschen. Oft in Kombination mit Technik, aber selten ohne.
  3. Ethisches Urteil und Haftung KI kann Vorschläge machen. Verantwortung tragen kann sie nicht. Sobald Entscheidungen rechtliche, medizinische, politische oder gesellschaftliche Konsequenzen haben, wird menschliche Haftung zentral.
  4. System-Orchestrierung Multi-Stakeholder, widersprüchliche Interessen, Macht, knappe Ressourcen, Zeitdruck. Das ist keine Excel-Aufgabe. Das ist echte Welt.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Ein Reporting-Team kann mit KI Monatsberichte in Stunden statt Tagen erstellen. Der eigentliche Engpass verlagert sich: nicht mehr «Text produzieren», sondern «Welche Kennzahlen sind wirklich entscheidend – und was tun wir, wenn sie schlecht sind?». Output wird billig. Outcome bleibt teuer.

„Aber wird KI nicht auch Gestaltung übernehmen?“

Teilweise: ja. KI wird besser darin, Strategien zu entwerfen, Szenarien durchzuspielen und kreative Optionen zu generieren. Die Grenze verschiebt sich.

Aber Gestaltung in komplexen Systemen hängt an drei Dingen, die sich nicht delegieren lassen:

  • Haftung: Jemand muss die Konsequenzen tragen.
  • Legitimität: Jemand muss das Mandat haben, zu entscheiden.
  • Aushandlung: Jemand muss widersprüchliche Interessen in tragfähige Lösungen übersetzen – mit Gesicht, Stimme und Reputation.

KI kann einen perfekten Klimaplan erstellen. Aber sie kann ihn nicht vor einer Gemeindeversammlung verteidigen, Gegenargumente aushalten und trotzdem weitermachen. Und haftbar sein, wenn es schiefläuft, kann sie auch nicht. Das ist kein reines Kompetenzproblem. Es ist Systemdesign: Gesellschaften brauchen menschliche Verantwortungsträger – nicht weil KI zu schwach ist, sondern weil Verantwortung nur funktioniert, wenn jemand sie persönlich trägt.

Heisst das, jede Gestaltungsrolle ist sicher? Nein. Gerade kreative Konzeption, Strategieentwürfe und Innovationsdesign verschieben sich schnell. Aber dort, wo Haftung, Legitimität und Aushandlung zusammenkommen, bleibt der menschliche Gestaltungsbedarf hoch.

Was du jetzt tun kannst

Frag dich ehrlich: Wie viel deiner Woche ist «Verwalten» – und wie viel ist «Gestalten»? Wenn der Gestaltungsanteil niedrig ist, ist das kein Urteil über dich. Es ist ein Signal: mehr Verantwortung übernehmen, mehr orchestrieren, mehr in die Umsetzung gehen.

KI hat an diesem Artikel mitgewirkt – beim Ausformulieren, Glätten und Strukturieren. Die Gedanken dahinter sind meine. Und ja, auch ich verkaufe etwas. Lies also auch diese Zeilen mit demselben Vorbehalt, den ich für Shumer empfehle.

Dann schau dir an, was wir kuratieren: Rollen mit hohem Gestaltungsanteil, in denen KI als Verstärker wirkt – nicht als Ersatz.

Futurejobs ansehen
Impact Monday 

Anmelden

Anmelden

Passwort vergessen

Wagen

Dein Warenkorb ist derzeit leer.

Teilen